Ein zentraler Schlüssel ist Schulassistenz. Zum Tag der Bildung am 24. Jänner 2026 rücken wir ein Arbeitsfeld in den Fokus, das im Schulalltag enorm viel bewegt: 1:1-Begleitung, Beziehung, Struktur und Teilhabe.
Schulassistenz bedeutet: da sein, wenn es darauf ankommt
Sarah Flock arbeitet seit 2020 in der Volksschule Mureck in einem als Begleiterin in einem 1:1 Unterricht über die LNW Lebenshilfe NetzWerk GmbH, nachmittags als Gruppenleiterin in der Nachmittagsbetreuung. Dort trägt gemeinsam mit zwei Kolleg*innen Verantwortung für 58 Kinder.
Sarah hat eine Ausbildung als Kinderbetreuerin und Tagesmutter. Der Einstieg in die Schulassistenz war für sie zunächst herausfordernd – auch, weil es dafür keine „klassische“ Ausbildung für Schulassistent*innen gab. Sie fand schnell ihren Zugang über Learning by Doing, viel Beobachtung und praxisnahes Vorgehen.
Begonnen hat Sarah mit einem Kind mit frühkindlichem Autismus, das sie zwei Jahre lang begleitete. Auch aktuell unterstützt sie wieder ein Kind mit Autismus – und betont, wie entscheidend Kontinuität und verlässliche Bezugspersonen sind.
Warum 1:1-Begleitung so wichtig ist
Im Klassenzimmer zeigt sich besonders deutlich, was Schulassistenz leisten kann: Sie ermöglicht, dass Kinder im Unterricht bleiben, mitlernen und teilhaben können.
Sarah beschreibt konkret: Wenn mehrere Kinder eine 1:1-Begleitung brauchen und eine Bezugsperson ausfällt (z. B. bei Krankheit), wird es herausfordernd. Dann muss eine Schulassistenz, die eigentlich für ein anderes Kind zuständig ist, zusätzlich mitbetreuen. Das ist nicht nur für die betreuten Kinder herausfordernd, sondern auch für die gesamte Klasse – weil Aufmerksamkeit und Unterstützung nicht beliebig „multiplizierbar“ sind. Dazu kommt, dass Personal-Ersatz nicht so einfach zu finden ist.
Ein besonders wichtiger Punkt ist der Mehrwert von gemischten Klassen: Kinder lernen voneinander – fachlich, aber vor allem sozial.
Sie beobachtet, dass Kinder mit mehr Unterstützungsbedarf in einer Gruppe oft voneinander profitieren: Sie geben einander Orientierung, Stabilität und lernen über die Zeit gegenseitig, besser zurechtzukommen. Gleichzeitig erleben auch Kinder ohne Behinderung Vielfalt als Normalität: Sie wachsen mit dem Miteinander auf, begegnen Unterschieden selbstverständlich und versuchen aktiv, Mitschüler*innen einzubeziehen.
Auch in den Pausen gilt: Teilhabe kann unterschiedlich aussehen. Manche Kinder verbringen Pausen lieber für sich – und das ist in Ordnung, wenn es ihrem Bedürfnis nach Rückzug, Routine und Erholung entspricht. Gerade Kinder mit Autismus brauchen häufig klar definierte Auszeiten, um sich im vorgegebenen Rahmen gut bewegen zu können.
Faktor Teamarbeit: Schule und Schulassistenz im Austausch
Damit Bildung für alle gelingt, braucht es Zusammenarbeit. Sarah schildert, dass die Klassenlehrer*innen versuchen, gut auf Stoff und Kinder einzugehen und sich regelmäßig mit ihr austauschen – um Situationen besser einschätzen zu können und passende Lösungen im Alltag zu finden.
Wenn nötig, gibt es auch Möglichkeiten, wie das Wiederholen einer Klasse. Aktuell kommen die von Sarah begleiteten Kinder (rund zehn Jahre alt) mit dem Lernstoff gut mit – auch weil Unterstützung frühzeitig und konsequent gestaltet wird.
Herausforderung: weniger Stunden – weniger Chancen
Ein Thema macht Sarah besonders nachdenklich: Es gibt seitens des Landes immer weniger Stunden für Schulassistenz.
Das führt dazu, dass Kinder mit sehr hohem Bedarf eher noch Unterstützung bekommen – aber Kinder mit „leichterem“ Unterstützungsbedarf oft keine oder zu wenig Begleitung erhalten.
Gerade dort kann Schulassistenz jedoch entscheidend sein: weil kleine Hilfen frühe Entwicklung ermöglichen – und weil präventive Unterstützung häufig verhindert, dass Probleme später größer werden.
Fazit zum Tag der Bildung
Bildung ist dann stark, wenn sie niemanden zurücklässt. Und Schulassistenz ist ein wesentlicher Baustein dafür.
(Bild = Symbolfoto, KI genieriert)

