Einleitung

Lebenshilfe Vorarlberg schlägt AlarmPersonalnot gefährdet Dienstleistungen

Lebenshilfe Vorarlberg schlägt Alarm Personalnot gefährdet Dienstleistungen

Die Corona-Pandemie trifft die Lebenshilfe Vorarlberg mit voller Wucht. Gab es davor bereits einen Personalmangel, so führen die aktuellen Auswirkungen zu einer akuten Verschärfung der Situation. Die Lebenshilfe fordert dringend Maßnahmen zur Verbesserung der Personalsituation verbunden mit dem persönlichen Appell an alle: „Bewerben Sie sich für einen Job mit Sinn!“

 

Das oberste Ziel der Lebenshilfe Vorarlberg ist es, die Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen nachhaltig zu verbessern und sie bei einem selbstbestimmten und erfüllten Leben inmitten der Gesellschaft zu begleiten. Die Pandemie hat diesen Weg zur Inklusion massiv beeinträchtigt. Nachdem viele von ihnen Vorerkrankungen haben, zählen sie zur vulnerablen Gruppe und müssen – entgegen dem erklärten Ziel der Lebenshilfe – nun Kontakte meiden und besonders geschützt werden.

 

Belastende Situation für Menschen mit Behinderungen

„Für uns alle ist die Situation extrem belastend und zermürbend. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, den ganzen Tag eine FFP2-Maske zu tragen, und für die Menschen mit Behinderungen im Umkehrschluss, keine Gesichter zu sehen und außerdem Probleme zu haben, sie zu verstehen. Das Schlimmste an allem ist es, eingesperrt zu sein und keine Kontakte pflegen zu können! Und wir werden von der Politik und Gesellschaft einfach vergessen“, äußert sich Klaus Brunner, Vorstandsmitglied und Selbstvertreter der Lebenshilfe Vorarlberg zur Situation. „Wie sollen wir die ganzen Maßnahmen verstehen? Was wir tun dürfen und was nicht, wenn es nicht einmal Menschen ohne kognitive Beeinträchtigungen verstehen?“

 

Forderungen gegen den drastischen Fachkräftemangel

Gemeinsam und mit sehr hohem Arbeitseinsatz aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, war es lange möglich, diese Herausforderungen der Pandemie abzufangen. Corona hat die bestehende Personalnot jedoch verstärkt, und sie trifft die Lebenshilfe Vorarlberg in einem bis dato nicht gekannten Ausmaß. Infektionen, Quarantänemaßnahmen, saisonale Erkrankungen sowie Langzeitkrankenstände führen zusätzlich zu akuter Personalnot. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten unter erschwerten Bedingungen und großer Belastung. Aufgrund des derzeitigen Personalmangels müssen sie oft kurzfristig an einem anderen Standort aushelfen und gleichzeitig flexibel sein, was ihre Arbeitszeiten anbelangt. Auch sind die Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen während Corona, wie z.B. das ganztägige Tragen einer FFP2-Maske – und das schon seit fast zwei Jahren – sehr herausfordernd.

 

Ich bedanke mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von ganzem Herzen, denn sie leisten Großartiges und Sinnvolles für unsere Gesellschaft und insbesondere für Menschen mit Behinderungen. Ich wünsche mir, dass unserer Berufsgruppe die entsprechende Wertschätzung für ihre Arbeit seitens der Politik und Gesellschaft entgegengebracht wird“, erklärt Michaela Wagner-Braito, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Vorarlberg.

 

Zur Verbesserung der Personalsituation fordert die Lebenshilfe Vorarlberg von den Verantwortlichen auf Bundes- und Landesebene:

  1. Gemeinsame Kampagnen für die Sozial- und Pflegeberufe, um die Attraktivität dieser sinnstiftenden Arbeit bekannt zu machen.
  2. Attraktive Rahmenbedingungen für die Ausbildungen (z.B. Kathi-Lampert-Schule, SOB, Pflegelehre), damit sich mehr junge Menschen für diesen sinnvollen Berufsweg im Sozialbereich entscheiden.
  3. Faire Entlohnung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im Behindertenbereich tätig sind.
  4. Schnelle und unbürokratische Anerkennung von ausländischen Fachausbildungen (Nostrifizierungen).
  5. Schnelle und unbürokratische Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen für ausländische Fachkräfte.

 

Dienstleistungen gefährdet

Wie drastisch die Situation ist, zeigt sich an den bereits gesetzten Maßnahmen: Aufgrund der Personalnot wurden einzelne Dienstleistungen reduziert, weshalb immer mehr Personen von ihren Angehörigen zu Hause betreut werden müssen. „Sollte sich die personelle Situation nicht rasch bessern, sind wir gezwungen, Standorte zu schließen“, berichtet Michaela Wagner-Braito. „Das hätte jedoch massive Auswirkungen auf die Situation der Angehörigen zu Hause und wäre der letzte Ausweg.“

 

„Die Angehörigen haben seit Beginn dieser Ausnahmesituation außerordentlich viel Verständnis für alle nötigen Maßnahmen gezeigt. Vielen Dank dafür und den unermüdlichen Einsatz“, so Adriane Feurstein, Präsidentin der Lebenshilfe Vorarlberg, und sie führt weiter aus: „Es bereitet mir als Präsidentin der Lebenshilfe Vorarlberg große Sorge, dass der Personalmangel bei uns in diesem Ausmaß angekommen ist. Es braucht dringend Maßnahmen gegen den akuten Fachkräftemangel, gleichzeitig richte ich einen persönlichen Appell an alle, die eine wertvolle und sinnstiftende Arbeit suchen: Nutzen Sie Ihre Chance und bewerben Sie sich bei uns. Gehen wir ‚mitanand‘ den Weg der Inklusion“, so die Präsidentin der Lebenshilfe abschließend.